| Japans Sorgenkind wird ein Jahr alt |
Vor genau einem Jahr wurde die japanische Ostküste vom stärksten Tsunami seit tausend Jahren heimgesucht, plus einem verheerenden Tsunami, der kilometerweit ins Landesinnere vorgedrungen ist. Aber was uns tatsächlich am heutigen Tag beschäftigt, ist nur ein kleiner Zusatz: Das Unglück von Fukushima Daiichi. Ein Atomkraftwerk, eine Kernschmelze, und ein Umdenken bei vielen Menschen. Tragisch? Ja. Rational? Nein. Deutschland und andere Staaten wollen aus der Atomkraft aussteigen, heftig unterstützt von Grünen und der Presse, nur weil ein einziges Atomkraftwerk den Bach runter gegangen ist. Aber denken wir noch einmal darüber nach, bevor wir urteilen. Fukushima hatte für sechs Reaktorblöcke insgesamt zwölf Notstromgeneratoren, das niemals in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Zwentendorf (sowie fünf baugleiche AKWs in Deutschland) hat für einen Reaktor vierundzwanzig. Fukushima wurde in vollem Bewusstsein auf erdbebengefährdetem Grund gebaut. Fukushima war mit 41 Jahren der älteste Reaktor Japans. Der Stahldruckkessel in Reaktor 4 hatte sich bei der Herstellung verzogen, was von der Konstrukteursfirma Hitachi erfolgreich vertuscht wurde. Der Ingenieur Mitsuhiko Tanaka, der nach Tschernobyl damit an die Öffentlichkeit ging, konnte auch nichts bewirken, Hitachi behauptet noch heute, der Kessel sei in Ordnung. Der Sicherheitsbehälter Mark I, der in Reaktor 1 bis 4 verwendet wurde, steht schon seit 1971 in der Kritik, da er einer Kernschmelze nicht standhalten würde. (Für den Unfall selbst spielte der Mark I allerdings keine Rolle, Anm.) Fazit: Fukushima hatte einige schwerwiegende Mängel, von der Konstruktion der Reaktoren, der Sicherheitsmaßnahmen, aber auch vom Terrain (Konstruiert wurde das AKW für amerikanischen, erdbebenfreien Boden.) und von der Wartung, abgesehen davon, dass alle zuständigen Firmen und Behörden versuchten, den Vorfall herunterzuspielen. Bei neueren, sicheren Kernkraftwerken wäre es nie zu so etwas gekommen.
Bis in die 60er Jahre produzierte man Autos wie Ritterrüstungen. Schon kleinste Unfälle konnten tödlich enden, der Mensch musste den gesamten Impuls absorbieren. Erst später erkannte man die Notwendigkeit einer nachgebenden Konstruktion, die die Verformungsenergie aufnahm, und plötzlich gingen die Opferzahlen drastisch zurück. Wieso kann man nicht einsehen, dass auch AKWs sicherer werden können? In den 50ern gab es insgesamt drei Kernschmelzen, in den 1960er Jahren zwei, in den 70ern und 80ern je eine, und Fukushima ist seit Tschernobyl der erste Reaktor, bei dem eine Kernschmelze stattgefunden hat. Das sind 25 Super-GAU-freie Jahre. Experten schätzen die weltweiten Uranreserven auf ca. 11 Millionen Tonnen, das reicht für etwa 80 Jahre. Wie viele Kernschmelzen werden wir noch erleben? Eine, vielleicht zwei, mit viel Pech drei, aber niemals genug, um einen weltweiten Atomausstieg für sinnvoll zu halten. Denken wir doch mal darüber nach, wieviel Unheil Kohlekraftwerke anrichten, die von vielen Vollidioten als Alternative zur Atomkraft vorgeschlagen werden. Einen Scheißdreck! Kohlekraftwerke sind die Nazis der Energieversorgung. Die primitivste Art der Stromerzeugung, über die man uns einredet, durch neue Technologie wären sie kaum schädlich. Bloß ist kaum schädlich immer noch schlechter als nicht schädlich. Wenn wir also wirklich die Atomkraft aufgeben wollen, dann bitte zugunsten der Photovoltaik oder der Wasserkraft. Und zum Thema Endlagerung: Das Konzept der Spallation scheint uns hier retten zu können. Statt den Atommüll für hunderttausende Jahre zu vergraben, könnte man ihn in einem sogenannten Rubbiatron-Reaktor durch Neutronenbeschuss zum Zerfall zwingen, dadurch eventuell noch zusätzlich Energie gewinnen und ihn gleichzeitig entschärfen.
Stellen wir uns die Atomkraft in zwanzig Jahren vor, sollte alles nach Plan laufen: Sichere Atomkraftwerke, ohne Emissionen, mit minimalem Risiko, und Atommüll, aus dem man Energie gewinnen könnte, und der schon nach wenigen Jahren so harmlos sein würde, dass man davon essen kann.
Wer kann da noch nein sagen?
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